Du selbst, wer sonst?

Ein Tag in meinem Leben als Persönlichkeits-Entwicklerin

Montag, der 15.10.2018

6:20 Uhr:

Ich schalte den Wecker aus und das Handy an. Eine Whatsapp-Nachricht: Die Nachmittagsstunde meines Sohnes fällt heute aus. Ausgerechnet heute! Ich hatte so einen guten Plan, der allerdings auf der Nachmittagsstunde und einem früheren Nachhause-Kommens meines Mannes fußte. Denn heute ist der “Münchner Elternabend Medien”, den ich wirklich gerne besuchen möchte. Jetzt ist meine komplette Planung über den Haufen geschmissen. Ich muss mir etwas einfallen lassen.

7:00 Uhr:

Jetzt erstmal ein gesundes Frühstück für meinen Sohn zubereiten und sehen, ob er alles was er heute braucht, in seinem Schulranzen hat. Heute ist bis 14:00 Uhr Mittagsbetreuung: 2-mal in der Woche ist das so, damit ich etwas länger am Stück ungestört arbeiten kann und an diesen Tagen nicht mittags kochen muss.

8:00 Uhr:

In Facebook schauen, wie meine Beiträge ankommen, kurzer Reichweiten-Check, Fragen beantworten und Beiträge kommentieren. E-Mails checken und beantworten: Hat jemand mein kostenloses Visionsgespräch gebucht? Heute noch nicht.

Ich rufe meine Mutter an, ob sie am Nachmittag die Betreuung unseres Sohnes übernehmen könnte. Puuhhh! Gott sei Dank, sie ist zuhause und übernimmt das. 

Später kommt eine Klientin. Daher muss ich noch das Zimmer, in dem ich vor Ort Klienten empfange und arbeite etwas aufräumen und noch schnell den Staubsauger anwerfen. Durch meine vermehrte Online-Tätigkeit bleibt da oftmals etwas liegen.

10:30 Uhr:

Meine Klientin fühlt sich in ihrer Arbeit weder gesehen noch wertgeschätzt. Es ist alles so eintönig und sie ist sehr unzufrieden mit ihrem Leben. Ich erkenne: vor mir sitzt meine Idealkundin. Denn tatsächlich haben viele meiner Klientinnen genau dieses Problem. 

Sie möchte wissen, wo es für sie hingehen könnte. Sie sagt, sie habe schon seit Jahren Probleme, ihre Vision zu formulieren, weil sie sie mit dem Verstand nicht greifen kann. Gleichzeitig fühlt sie, dass sie etwas blockiert und dass sie so nicht den nächsten beruflichen Schritt gehen kann. Außerdem quälen sie körperliche Beschwerden.

Das, was sie beschreibt, entspricht auch meiner Beobachtung: Visionen rational zu formulieren, funktioniert entweder nicht oder ist nicht wirklich kraftvoll. Wenn wir uns unser Ziel aus dem Kopf “saugen”, dann ist es mehr ein Müssen oder Sollen als ein kreativer Akt, eine Vision zu gestalten.

Gute Erfahrungen habe ich mit folgender Vorgehensweise gemacht: eine Vision zu zeichnen oder sie im Raum einfach als Platzhalter festzulegen und sie dann zu erkunden. Wenn sie dann wahrgenommen werden kann, können zusätzliche Dinge hinzugefügt werden.

Bei meiner Klientin machen wir eine systemische Aufstellung mit Filzstücken am Boden. Die Filzstücke dienen als Platzhalter für Personen oder Abstraktionen wie z.B. eine Vision oder ein Hindernis. Die Filzstücke werden intuitiv von meiner Klientin ausgelegt und sie kann sich dann draufstellen und spüren wie sich dieser Teil, der von dem Filzstück repräsentiert wird “fühlt”, wo es ihn “hinzieht” usw. Dieses Phänomen der sog. wissenden (oder morphogenetischen) Felder ist mittlerweile sogar wissenschaftlich erforscht. Eine Aufstellung ist ein wunderbares Tool in der Persönlichkeitsentwicklung.

Kennst Du die Kraft einer Aufstellung mit farbigen Filzstücken?

Meine Klientin wählt vier verschiedenfarbige Filzstücke: ein Stück für sich, eins für ihre Vision, eins für ein körperliches Hindernis und ein weiteres Filzstück für eine unbekannte Blockade. Dann legt sie die Filzstücke intuitiv im Raum ab.
Das Ziel einer solchen Aufstellung ist es, eine gute Lösung für die aufstellende Person zu finden. Meine Klientin stellt sich nacheinander auf die verschiedenen Filze als Platzhalter und bekommt so Informationen über systemische Zusammenhänge. 

Wenn die AufstellerIn Personen so im Raum platziert, kann sie dann direkt spüren, wie sich die einzelnen Personen fühlen und ihre Absichten und Befindlichkeiten erkennen. Dieser Perspektivenwechsel fördert auch die soziale Kompetenz, weil der Blick für Andere und deren Sichtweise geschult wird. Genauso wie mit Personen funktioniert die Aufstellung auch mit abstrakten Dingen, wie hier zum Beispiel mit der Vision oder einer Blockade. Die Filze werden so lange im Raum neu angeordnet bis sie eine gute Lösung für das Problem der aufstellenden Person ergeben. Es ist sehr wichtig, dass die Lösung für die aufstellende Person stärkend, kraftvoll und befreiend ist.

Im Lauf der Aufstellung stellt sich heraus, dass die beiden Hindernisse meiner Klientin ungeliebte bzw. abgespaltene Anteile von ihr selbst sind. 

Das bedeutet, dass z.B. jemand als Kind aufgrund einer emotionalen Verletzung in eine Starre gefallen ist. Die Starre diente als Schutz, nicht noch mehr von diesen unschönen Gefühlen zu spüren und aufnehmen zu müssen. Diese Starre hat sich somit als hilfreich erwiesen, das bestehende Problem abzuwehren und deshalb ist die Starre geblieben. Heute fragt sich diese Person dann, warum sie in einer Starre lebt, die sie gar nicht zuordnen kann. Manchmal nehmen solche Menschen die Starre gar nicht als Starre wahr. Stattdessen merken sie nur, dass sie nicht dorthin kommen, wo sie hinkommen möchten und somit ihr Ziel nicht erreichen. In einer Aufstellung kann man herausfinden, was das ist, was die Person nicht weiterkommen lässt -  und diese Blockade dann lösen.

Im Falle meiner Klientin waren es zwei solcher Hindernisse, die wir durch diese Methode erkannt und gelöst haben. Das Schöne bei dieser Arbeit ist, dass die vermeintlichen Hindernisse oft zu Ressourcen, also stärkenden Anteilen, werden. Im Falle der Starre könnte diese zu etwas Beweglichem werden, das mal starr und mal total beweglich und flexibel sein kann, je nachdem wie es hilfreich ist.

Am Ende der Aufstellung ist das Ziel kar vor Augen und die ehemaligen Hindernisse unterstützen jetzt die Zielerreichung.

Zum Ende der Sitzung hat meine Klientin ihr Ziel absolut im Auge, sie kann es endlich greifen. Sie geht befreit und gestärkt in ihren weiteren Tag. Und ich bin punktgenau fertig geworden vor meinem nächsten Termin.

12:30 Uhr:

Zoom-Treffen mit Judith Sympatexter im 12-wöchigen Blog-Erfolgs-Kurs in dem wir zusammen Blogartikel zu verschiedenen Themen und Aufgaben schreiben. Heute bekommen wir die nächste Wochenaufgabe: Einen Artikel schreiben über einen typischen Tag in unserem Leben 😮

Ich nutze die Zeit bis mein Sohn nach Hause kommt und schreibe mir noch etwas zu meinem heutigen Tag auf, denn das wird mein Blog-Artikel für diese Woche. Den Artikel denke ich schon einmal kurz an. Es ist wichtig, die Ideen zu notieren, wenn sie da sind. Rückwärts gedacht ist es viel schwieriger für mich, das alles noch einmal zu rekonstruieren.

14:00 Uhr:

Mein Sohn kommt hungrig aus der Mittagsbetreuung. Leider ist dort entweder das Essen zu wenig oder nicht lecker, so dass die Kinder es nicht essen. Ich mache ihm also noch eine Kleinigkeit, damit er wirklich satt ist. 

Für den Blog-Artikel der letzten Woche, der noch nicht veröffentlich ist, brauche ich noch ein Foto. Das haben wir am Wochenende nicht mehr geschafft. Ich bitte nun meinen Sohn, ein paar Fotos von mir zu machen damit ich den Artikel noch heute veröffentlichen kann. Es ist diesmal ein sehr persönlicher Artikel. Über den Text musste ich noch ein paar mal schlafen bevor ich auf Veröffentlichen klicke. Aber spätestens heute Abend soll der Artikel noch raus. Die Fotos sind schön geworden. Der Artikel heißt: Warum begleite ich als Coach Menschen auf dem Weg zu sich selbst?

Doris Bürgel begleitet Menschen auf dem Weg zu sich selbst und in ihre eigene Großartigkeit

Hausaufgaben macht mein Sohn alleine. Allerdings schaue ich mir an, was er auf hat und komme dann noch einmal vorbei, um zu sehen, ob er das alleine hinbekommt. Während dessen hänge ich die Wäsche auf. Zwischendurch kommt von ihm noch manchmal eine Nachfrage zur Mathe-Hausaufgabe.

15:00 Uhr:

Flöte spielen mit meinem Sohn und noch etwas lesen. Wie war sein Tag? Mir ist es wichtig nachmittags auch wirklich Zeit für ihn zu haben. Das kommt heute etwas zu kurz wegen dem Elternabend.

Ich bringe mein Kind zur Oma. Gott sei Dank hat sie Zeit.

Dann fahre ich in die Stadt zum Elternabend. Ich schaffe die Strecke schneller als gedacht und habe noch ein paar Minuten Zeit, die Spätnachmittag-Sonne vor dem Kongresszentrum zu genießen, welch Luxus.

17:30 Uhr:

Der Elternabend zum Thema Medien entpuppt sich als eine - sehr gute! - Mammut-Veranstaltung von drei Stunden. Ich bekomme von den Experten dort gesagt, dass die Kinder, was die Medien angeht, immer mehr wissen, als die Eltern. Ich frage mich: bin ich selbst keine Medien-Expertin? Schließlich führe ich ein Online-Business! Aber: online ist nicht gleich online. Denn was Spiele und die neuesten Apps angeht, bin ich absolut nicht auf dem Laufenden - nicht mal als Online-Unternehmerin.

Mal wieder wird mir klar, dass ich für meinen Sohn ein Vorbild bin, auch was Medien-Nutzung betrifft. Aufgrund meiner Online-Tätigkeit bin ich wohl ein schlechtes Vorbild, was die Nutzungsdauer des Computers betrifft. Da muss ich noch einmal mit meinem Sohn sprechen, dass ich den Computer zum Arbeiten brauche. Genau deshalb verbringe ich dort viel Zeit. Dafür kann ich mehr zuhause sein als andere Mütter, die in einer Firma arbeiten. 

Der alles übergreifende Ansatz zum Kinderschutz im Internet heißt: Eigenverantwortung und zusammen, also Eltern mit ihren Kindern, einen guten Umgang mit den Medien erlernen. Das bedeutet: gemeinsam erkunden, was gut und hilfreich ist und Dinge lassen, bei denen es Probleme geben könnte. Auch die besten Einstellungen am Computer ersetzen dies nicht.

Außerdem werde ich ermutigt, kreative Dinge gemeinsam mit meinem Kind mit dem Computer oder mit Apps auf dem Smartphone  auszuprobieren. Eine geeignete App wäre z.B. Chatterpix.

Abschließend bekomme ich noch viele Einblicke in die meistgenutzten Video-Spiele und deren Gefahren (z.B. ist Fortnite erst ab 12 bzw. 16 Jahren empfohlen) und Möglichkeiten (z.B. Minecraft kann auch kreativ gespielt werden). Die vielen Inputs hierzu erschlagen mich schier. Video-Spiele waren noch nie mein Ding, ich habe kein einziges auf meinem Computer. Aber gerade deshalb bin ich hier - um das zu lernen.

Zuhause angekommen, ist es weit nach 21:00 Uhr. Die letzte Überarbeitung meines Blog-Artikels schaffe ich heute nicht mehr, aber er geht sicher morgen früh raus.

Jetzt ist es Zeit, meinem Mann von meinen Learnings heute Abend zu erzählen, denn was Medien betrifft, müssen wir, wie bei allem anderen auch, an einem Strang ziehen.
Lernen und Persönlichkeitsentwicklung sind auch mir höchstes Gebot.


Beitrags-Bild: unsplash, restliche Bilder: Doris Bürgel


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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Karina Schuh
22. Oktober 2018 19:34

Liebe Doris, das hast Du echt toll geschrieben. Du bist eine Powerfrau, und das erfährt man auch in diesem Artikel. Erst vor kurzem wurde mir von diesen Aufstellungen berichtet und dass diese so erfolgreich wären. War bisher für mich unvorstellbar. Aber nach diesem Artikel habe ich jetzt richtig Lust auf so eine Aufstellung bekommen, auch wenn ich sehr positiv dem Leben gegenüber stehe. Das kann wohl nie schaden. Toll. Muss unbedingt mal nach München kommen.
Liebe Grüße
Karina

Antworten

    WOW, danke Dir sehr liebe Karina!
    Es freut mich riesig, dass ich Dir das Thema Aufstellung mit meinem Artikel schmackhaft machen konnte. Es war nämlich gar nicht so einfach für mich, mit Worten auszudrücken, was man eigentlich selbst erleben muss.
    Du bist natürlich jederzeit gerne willkommen hier!
    Alles Liebe, Doris

    Antworten

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