Februar 3

Sanfte Berührung und die neurobiologische Grundlage von Veränderung

Du selbst, wer sonst?, Nervensystem

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Warum der Körper Zugang zu alten Erinnerungen hat und was das mit echter Heilung zu tun hat

Dieser Artikel beschreibt, wie sanfte Berührung und das Nervensystem zusammenwirken und warum Veränderung oft nicht über Worte, sondern über körperliche Erfahrung geschieht.

Es gibt Erfahrungen, da reichen Worte nicht mehr.
Nicht, weil wir sie nicht finden, sondern weil das, was in uns wirkt, nie über Sprache entstanden ist.

Viele frühe Prägungen wurden in Phasen gespeichert, in denen unser Nervensystem noch nicht sprachlich organisiert war: durch Nähe oder Alleinsein, durch Berührung oder deren Abwesenheit, durch Blickkontakt, Tonfall und Rhythmus. Diese Erfahrungen sind implizit. Sie leben nicht als Geschichte in unserem Gedächtnis, sondern als Körperzustand (Schore, 2012).

Sie zeigen sich später als Enge im Brustraum, als plötzlicher Rückzug in Beziehungen, als Erstarrung oder als übermäßige Anpassung. Der Verstand sucht nach Erklärungen, doch der Körper reagiert schneller. Er erinnert sich an etwas, das nie in Worte gefasst wurde.

Und genau hier beginnt ein stiller Weg der Heilung. Nicht über erneutes Erzählen oder Analyse, sondern über den Körper selbst. Über Berührung, Rhythmus und Regulation. Nicht, um alte Erfahrungen noch einmal zu durchleben, sondern um ihnen eine neue körperliche Bedeutung zu geben.

Implizites Gedächtnis – warum der Körper früher erinnert als der Verstand

Neurowissenschaftlich unterscheiden wir zwischen explizitem und implizitem Gedächtnis. Während explizite Erinnerungen bewusst abrufbar und sprachlich strukturiert sind, arbeitet das implizite Gedächtnis körperlich, emotional und automatisch. Es speichert nicht, was geschehen ist, sondern wie es sich angefühlt hat – als Spannung, als innere Bereitschaft, als Schutzreaktion (LeDoux, 1996; Schore, 2012).

Diese Formen des Erinnerns sind eng mit limbischen Strukturen wie der Amygdala und körpernahen Arealen wie der Insula verbunden. Sie laufen weitgehend unbewusst ab und bestimmen dennoch maßgeblich, wie wir heute reagieren – besonders in Situationen von Nähe, Stress oder Beziehung (Craig, 2009).

Viele Menschen kennen den inneren Konflikt:
„Ich weiß, dass ich heute sicher bin – aber mein Körper glaubt es nicht.“

Das ist kein Widerstand und kein mangelnder Wille. Es ist Neurobiologie. Heilung auf dieser Ebene braucht keine neue Einsicht, sondern eine neue Erfahrung, die dort ankommt, wo die alte Spur gespeichert ist (Ecker et al., 2012).

Faszien und Interozeption – wie der Körper Erinnerung wahrnimmt

Wenn wir davon sprechen, dass der Körper früher erinnert als der Verstand, stellt sich die Frage, wie diese Erinnerung im Körper organisiert ist. Neben neuronalen Netzwerken im Gehirn spielt dabei das myofasziale System eine zentrale Rolle. Faszien sind kein passives Gewebe, sondern ein fein innerviertes Kontinuum, das Informationen über Spannung, Druck, Bewegung und innere Zustände aufnimmt und weiterleitet.

Neuere Forschung beschreibt das myofasziale System als wichtigen Träger interozeptiver Wahrnehmung. Über diese Bahnen können körperliche Reize direkt jene Hirnareale aktivieren, die an emotionaler Bewertung beteiligt sind – insbesondere die Insula. Berührung wirkt dadurch nicht nur mechanisch oder entspannend, sondern verändert, wie der Körper seinen eigenen Zustand wahrnimmt und reguliert (Bordoni & Marelli, 2017).

Emotionale Erfahrungen sind in diesem Sinne nicht als Inhalte „im Gewebe gespeichert“. Sie zeigen sich vielmehr als Muster von Spannung, Schutz und innerer Bereitschaft, die über Interozeption immer wieder aktualisiert werden. Genau deshalb kann Berührung dort etwas in Bewegung bringen, wo Sprache und bewusste Erinnerung keinen direkten Zugang haben – auf der Ebene des impliziten Erlebens, das dem Verstand zeitlich voraus ist.

Das Nervensystem reagiert in Millisekunden – der Verstand erst später

Unser Nervensystem reagiert um ein Vielfaches schneller als unser bewusster Verstand.
Ob eine Situation als sicher, neutral oder bedrohlich eingestuft wird, entscheidet sich innerhalb von Millisekunden auf der Ebene des autonomen Nervensystems – lange bevor der präfrontale Kortex beginnt, die Situation rational zu bewerten (Porges, 2011).

Während der Verstand noch denkt „Eigentlich ist das gerade harmlos“, hat das Nervensystem bereits entschieden, ob Flucht, Erstarrung, Anpassung oder Verbindung aktiviert wird.

Genau deshalb greifen rein kognitive Ansätze bei frühen oder impliziten Prägungen oft zu kurz. Sie setzen dort an, wo die Reaktion bereits passiert ist. Das Nervensystem war schneller.

Heilung auf dieser Ebene muss deshalb direkt mit der körperlichen Regulationslogik des Nervensystems arbeiten – nicht gegen sie. Und genau hier kommt Berührung ins Spiel.

Berührung ist eine der frühesten Formen menschlicher Kommunikation.

Lange bevor wir Sprache verstehen, lernen wir über Hautkontakt, ob die Welt sicher ist, ob wir willkommen sind, ob wir gehalten werden oder auf uns allein gestellt sind (Schore, 2012).

Diese frühen Erfahrungen prägen nicht nur das Nervensystem, sondern auch das myofasziale Kontinuum – ein dreidimensionales Netzwerk aus Bindegewebe, das jedes Organ, jeden Muskel und jeden Nerv umhüllt. Dieses System gilt heute als eines der reichsten sensorischen Organe des Körpers und ist eng mit unserer inneren Wahrnehmung verbunden (Bordoni & Marelli, 2017).

Das myofasziale Gewebe enthält eine hohe Dichte unmyelinisierter Nervenfasern, die Informationen direkt in jene Hirnareale leiten, in denen Körperempfinden, Emotion und innere Zustände zusammengeführt werden. Berührung wird dadurch nicht zuerst gedacht, sondern gespürt. Sie erreicht Ebenen, die sich der Sprache entziehen und dennoch unser Erleben tief prägen.

Sanfte Berührung wirkt direkt auf das Nervensystem und prägt frühe Regulationsmuster. Sie wirkt nicht primär kognitiv, sondern über interozeptive Prozesse, die Regulation ermöglichen und die emotionale Bedeutung von Erfahrungen verändern können. Auf diese Weise spricht sie das Nervensystem dort an, wo frühe Prägungen entstanden sind und wo neue Sicherheit verkörpert erfahren werden kann (Porges, 2011; Bordoni & Marelli, 2017).

Was im Körper passiert: Wie sanfte Berührung das Nervensystem reguliert

Sanfte, rhythmische Berührung kann das autonome Nervensystem aus einem Zustand chronischer Alarmbereitschaft herausführen. Neurophysiologisch zeigen sich dabei vermehrt langsame Gehirnwellen, insbesondere Delta-Frequenzen, wie wir sie aus Tiefschlaf- oder sehr sicheren Entspannungszuständen kennen (Ruden, 2010).

Diese Frequenzen stehen in engem Zusammenhang mit einer reduzierten Aktivität der Amygdala – jenes Hirnareals, das Bedrohung bewertet und Stressreaktionen auslöst (LeDoux). Wird die Amygdala herunterreguliert, sinkt die Ausschüttung von Stresshormonen, und das System kann von Überleben auf Regeneration umschalten.

Entscheidend ist die Qualität der Berührung: langsam, rhythmisch, vorhersehbar, präsent.
Diese Vorhersagbarkeit signalisiert dem Nervensystem Sicherheit – ein zentrales Kriterium für Regulation (Porges, 2011).

Klopfbasierte Verfahren – Regulation und emotionale Entkopplung

Lange bevor Havening entwickelt wurde, arbeiteten klopfbasierte Verfahren wie Thought Field Therapy (TFT) und später Emotional Freedom Techniques (EFT) mit der gezielten Kombination aus emotionaler Aktivierung und körperlicher Stimulation. Die frühen Erklärungsmodelle dieser Verfahren bezogen sich vor allem auf energetische Konzepte. Aus heutiger Sicht lassen sich die zugrunde liegenden Wirkmechanismen jedoch neurobiologisch deutlich präziser einordnen.

Studien zeigen, dass EFT mit einer signifikanten Reduktion physiologischer Stressmarker einhergehen kann, unter anderem mit einer Abnahme der Cortisolwerte sowie mit Verbesserungen stress- und angstbezogener Symptome (Church et al., 2012; Church et al., 2014). Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass klopfbasierte Verfahren die Aktivität der Amygdala modulieren und gleichzeitig regulierende präfrontale Netzwerke stärker einbinden können (Feinstein, 2012).

Neurobiologisch entsteht dadurch ein Zustand, in dem die erwartete Alarmreaktion ausbleibt. Dieser Widerspruch zwischen erwarteter Gefahr und tatsächlicher Erfahrung von Regulation lässt sich als Prediction Error beschreiben – ein Mechanismus, der heute als zentral für die Abschwächung emotionaler Gedächtnisspuren gilt (Nader et al., 2000; Ecker et al., 2012).

Havening® greift diesen Grundmechanismus auf und vertieft ihn über gezielte Berührungsqualitäten, rhythmische Vorhersagbarkeit und spezifische neurophysiologische Zustände.

Delta-Wellen durch Berührung – warum Havening so tief wirken kann

Forschungen von Ronald A. Ruden zeigen, dass bestimmte Formen sanfter, rhythmischer Berührung die Aktivität von Delta-Gehirnwellen fördern können. In Wenn Vergangenes nicht vergeht beschreibt Ruden Delta-Wellen als einen neurobiologischen Zustand tiefer Sicherheit und Regulation, wie er sonst vor allem im Tiefschlaf oder in sehr geschützten Entspannungszuständen auftritt (Ruden, 2010).

In diesem Zustand werden synaptische Verbindungen vorübergehend gelockert, wodurch emotionale Gedächtnisinhalte ihre starre Bindung verlieren können. Die Erinnerung bleibt erhalten, verliert jedoch ihre intensive emotionale Wirkkraft. Entscheidend ist dabei nicht das bewusste Durcharbeiten, sondern der neurobiologische Zustand, in dem die Erinnerung aktiviert wird.

Diese Beobachtungen lassen sich gut mit der Reconsolidation-Forschung verbinden: Wird eine Erinnerung aktiviert und gleichzeitig in einem regulierten Zustand gehalten, kann sich ihre emotionale Bedeutung dauerhaft verändern (Nader et al., 2000; Alberini & LeDoux, 2013).

Reconsolidation durch Berührung – wenn neue Erfahrung alte Spuren verändert

Im ersten Artikel dieser Reihe habe ich beschrieben, dass emotionale Erinnerungen nicht statisch sind. Sie können verändert werden, wenn sie reaktiviert werden und im richtigen Moment eine neue, widersprüchliche Erfahrung machen dürfen – im sogenannten Window of Reconsolidation.

Sanfte Berührung kann genau diese Bedingungen herstellen.

Denn sie erlaubt etwas Entscheidendes: Das System wird aktiviert – und bleibt gleichzeitig reguliert.

Ein inneres Gefühl, eine Körperempfindung oder ein implizites Erinnerungselement wird berührt. Gleichzeitig erlebt der Körper etwas Neues: Ruhe statt Überforderung. Gehaltensein statt Alleinsein. Verbindung statt Alarm.

Neurobiologisch entsteht hier ein Mismatch zwischen Erwartung und tatsächlicher Erfahrung. Das Nervensystem rechnet mit Gefahr – und erlebt Sicherheit. Genau dieser Wahrnehmungsfehler ermöglicht es dem Gehirn, die emotionale Bedeutung einer Erinnerung neu abzuspeichern.

Wichtig dabei ist: Die Veränderung geschieht nicht, weil darüber gesprochen wird, sondern weil das Nervensystem eine neue Erfahrung macht, bevor der Verstand eingreift.

Der Körper lernt: Es ist jetzt anders.
Der Verstand folgt dieser Erfahrung oft erst später – als nachgelagerte Einsicht.

Polyvagaltheorie – warum Sicherheit nicht das Ziel, sondern der Anfang ist

Die Polyvagaltheorie beschreibt, dass unser autonomes Nervensystem hierarchisch organisiert ist und primär auf Sicherheit reagiert. Erst wenn Sicherheit wahrgenommen wird, werden soziale Verbindung, Selbstregulation und Integration möglich.

Sanfte Berührung aktiviert dabei sogenannte unmyelinisierte afferente Fasern (Olausson et al., 2008), die ihre Signale direkt an limbische und körpernahe Hirnregionen senden – nicht an den präfrontalen Kortex. Das erklärt, warum Berührung oft wirkt, selbst wenn wir „noch nichts verstanden haben“.

Für viele Menschen ist diese Form von Sicherheit keine Selbstverständlichkeit, sondern eine neue Erfahrung. Eine Erfahrung, die nicht erklärt, sondern verkörpert wird.

Warum Berührung nicht alles ist – aber vieles ermöglicht

Sanfte Berührung ist kein Allheilmittel. Sie ersetzt weder bewusste Auseinandersetzung noch Integration oder innere Arbeit. Sie ist auch kein Weg, um Veränderung zu „machen“ oder etwas schnell zu lösen. Ihre Wirkung liegt an einer anderen Stelle.

Berührung kann dem Nervensystem Bedingungen anbieten, unter denen Veränderung überhaupt erst möglich wird. Sie kann Regulation unterstützen, dort wo das System sonst im Alarm bleibt. Sie kann Sicherheit erfahrbar machen, nicht als Idee, sondern als körperliches Erleben. Und sie kann einen inneren Raum öffnen, in dem neue Erfahrungen zugelassen werden, ohne dass alte Überforderung erneut aktiviert wird.

Gerade dort, wo Worte nicht mehr tragen oder kognitive Zugänge zu kurz greifen, kann Berührung den Boden bereiten. Nicht als Lösung an sich, sondern als Voraussetzung dafür, dass innere Prozesse sich neu ordnen dürfen.

Genau darin liegt ihre Tiefe.

Einordnung: Berührung im Kontext selbstorganisierter Veränderung

Aus neurobiologischer Perspektive berühren sich viele der hier beschriebenen Ansätze in ihrem Kern. Ob über Berührung, klopfbasierte Verfahren oder MAP – immer geht es darum, emotional geladene Spuren kurz zu aktivieren und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, ihre zwingende Wirkkraft zu verlieren. Veränderung entsteht nicht durch Analyse, sondern durch eine neue innere Erfahrung im richtigen Moment.

Der Unterschied liegt nicht im Ziel, sondern im Zugang. Verfahren wie Havening® nutzen gezielt einen neurophysiologischen Zustand, der eine Depotenzierung emotionaler Ladung auf Ebene der Amygdala ermöglicht (Ruden, 2010). MAP greift denselben Veränderungsraum auf, verzichtet jedoch auf eine äußere Technik: Der Prozess wird nicht induziert, sondern vom inneren System selbst geführt. Das Superbewusstsein entscheidet, was sich zeigt, wie tief gearbeitet wird und wann eine Spur sich neu organisieren darf.

In meiner Arbeit ist MAP deshalb der tragende Rahmen. Berührung nutze ich nicht als eigenständige Methode, sondern – wenn stimmig – unterstützend innerhalb eines vom Superbewusstsein geführten Prozesses. Nicht, um Veränderung zu machen, sondern um dem Nervensystem Bedingungen zu bieten, unter denen Veränderung ohne Überforderung geschehen kann.

Wenn du diesen selbstorganisierten Veränderungsprozess jenseits von Technik und Steuerung besser verstehen möchtest, findest du hier einen ausführlichen Artikel, in dem ich beschreibe, wie MAP wirkt und warum das Superbewusstsein den Prozess führt: MAP – Make anything possible.

Fazit: Die leise Revolution der Heilung

Vielleicht liegt echte Veränderung weniger im Verstehen als im Erleben. Weniger im erneuten Durcharbeiten alter Geschichten und mehr im Dasein-Dürfen mit dem, was sich im Moment zeigt. Dort, wo der Körper nicht mehr unter Druck gerät, sich erklären oder überwinden zu müssen, sondern eine neue Erfahrung machen darf.

Sanfte Berührung erinnert das Nervensystem daran, dass Gegenwart nicht Vergangenheit ist. Dass Nähe heute sicher sein kann. Dass Regulation möglich ist, ohne zuvor durch Überforderung oder erneuten Schmerz gehen zu müssen. Alte Spuren verschwinden dabei nicht einfach. Sie verlieren jedoch ihre zwingende Macht, wenn das System erlebt, dass etwas jetzt anders ist.

Diese Form von Veränderung geschieht nicht laut und nicht spektakulär. Sie vollzieht sich leise, oft unscheinbar, aber tief. Nicht als Willensakt, sondern als neurobiologischer Prozess, der dort ansetzt, wo frühe Prägungen entstanden sind: im Körper, im autonomen Nervensystem, in impliziten Erinnerungen.

Das ist kein spirituelles Konzept und keine Technik des „Loslassens“. Es ist Neurobiologie. Es ist die Fähigkeit des Gehirns, unter den richtigen Bedingungen alte Bedeutungen neu einzuordnen. Und es ist eine Einladung, Heilung nicht zu erzwingen, sondern zu ermöglichen – durch Sicherheit, durch Regulation und durch Erfahrungen, die dem Körper zeigen: Es ist jetzt anders.

Ausblick: Wenn Erfahrung älter ist als ihre Erklärung

Vielleicht ist dir beim Lesen noch etwas anderes aufgefallen.
Viele der Zustände, die wir heute neurobiologisch beschreiben – Regulation, innere Sicherheit, veränderte Bewusstseinszustände, das Lösen emotionaler Ladung – sind keine neuen Entdeckungen. Sie sind alt. Sehr alt.

Lange bevor es Begriffe wie Amygdala, Reconsolidation oder Delta-Wellen gab, arbeiteten Menschen bereits mit genau diesen inneren Zuständen. Nicht über Analyse, sondern über Erfahrung. Über Rhythmus, Berührung, Klang, Trance und symbolische Bilder. Über Wege, die den Verstand in den Hintergrund treten ließen und dem inneren Erleben Raum gaben.

Was wir heute messen und erklären können, wurde damals nicht theoretisiert, sondern gelebt.

Im nächsten Artikel dieser Reihe öffne ich genau diesen Raum:
Schamanismus nicht als Gegenpol zur Neurobiologie, sondern als uraltes Erfahrungswissen über innere Wandlungsprozesse. Über Zustände, Übergänge und Bewusstseinsveränderungen, die Heilung ermöglichen – und die sich heute neu verstehen lassen.

  • Schamanismus und Neurobiologie – uraltes Erfahrungswissen neu verstanden
    Wenn Erfahrung älter ist als Wissenschaft


Literatur (Auswahl)

Alberini, C. M., & LeDoux, J. E. (2013).
Memory reconsolidation. Current Biology, 23(17), R746–R750.

Bordoni, B., & Marelli, F. (2017).
Emotions in Motion: Myofascial Interoception. Complementary Medicine Research, 24(2), 110–113.
DOI: 10.1159/000464149

Church, D., Yount, G., & Brooks, A. J. (2012).
The effect of Emotional Freedom Techniques on stress biochemistry: A randomized controlled trial. Journal of Nervous and Mental Disease, 200(10), 891–896.

Church, D., Feinstein, D., Palmer-Hoffman, J., Stein, P. K., & Tranguch, A. (2014).
Empirically supported psychological treatments: The challenge of evaluating clinical innovations. Journal of Nervous and Mental Disease, 202(10), 699–709.

Craig, A. D. (2009).
How do you feel—now? The anterior insula and human awareness. Nature Reviews Neuroscience, 10(1), 59–70.

Ecker, B., Ticic, R., & Hulley, L. (2012).
Unlocking the Emotional Brain: Eliminating Symptoms at Their Roots Using Memory Reconsolidation. Routledge.

Feinstein, D. (2012).
Acupoint stimulation in treating psychological disorders: Evidence of efficacy. Review of General Psychology, 16(4), 364–380.

LeDoux, J. (1996).
The Emotional Brain: The Mysterious Underpinnings of Emotional Life. Simon & Schuster.

Nader, K., Schafe, G. E., & LeDoux, J. E. (2000).
Fear memories require protein synthesis in the amygdala for reconsolidation after retrieval. Nature, 406, 722–726.

Olausson, H., Cole, J., Vallbo, Å., McGlone, F., Elam, M., Krämer, H. H., ... & Bushnell, M. C. (2008). Unmyelinated tactile afferents have opposite effects on insular and somatosensory cortical processing. Neuroscience Letters, 436(2), 128–132.

Porges, S. W. (2011).
The Polyvagal Theory: Neurophysiological Foundations of Emotions, Attachment, Communication, and Self-Regulation. W. W. Norton.

Ruden, R. A. (2010).
When the Past Is Always Present: Emotional Traumatization, Causes, and Cures. Routledge.
(deutsch: Wenn Vergangenes nicht vergeht – Seelische Traumatisierung: Ursachen und Behandlung, dgvt-Verlag, 2012)

Schore, A. N. (2012).
The Science of the Art of Psychotherapy. W. W. Norton.

Über die Autorin

Dr. Doris Bürgel

Dr. Doris Bürgel begleitet Frauen auf dem Weg zurück zu sich selbst – in ihre Lebendigkeit, ihre innere Stärke und in ein Leben, das sich wirklich stimmig anfühlt.
Als Psychologin, Heilpraktikerin und NeuroGraphik®-Trainerin verbindet sie Tiefgang, Struktur und Intuition zu einem sicheren Raum für Heilung und Entwicklung.
In ihrer Arbeit öffnet sie Wege, alte Verletzungen zu transformieren und das eigene Leben bewusst, frei und selbstbestimmt zu gestalten.

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