Im November 2018 saß ich in München in einem Workshop von Pavel Piskarev, dem Begründer der NeuroGraphik, und zeichnete meinen ersten Ahnenbaum. Schon morgens war ich aufgewühlt, mir kamen immer wieder die Tränen, und trotzdem zog ich Linie um Linie, von den Kreisen meiner Urgroßeltern über meine Großeltern und Eltern bis zu mir. Mit jeder …
Wenn ich das Wort „Anpassung“ höre, zieht sich in mir etwas zusammen. Es ist keine Meinung, es ist eine Bewegung im Körper, und sie kommt vor jedem Gedanken. Hoppla, sagt sie. Was geschieht hier gerade? Sei achtsam. Das ist merkwürdig, denn ich halte Anpassung für eine der wichtigsten Fähigkeiten, die wir haben. Ohne sie könnten …
Es gibt einen Satz von Marianne Williamson, der mich schon lange beschäftigt. Er wird immer wieder Nelson Mandela zugeschrieben, stammt aber aus Williamsons Buch A Return to Love von 1992. Dort schreibt sie sinngemäß, dass unsere tiefste Angst nicht unsere Unzulänglichkeit sei, sondern unsere eigene Kraft. Und dann kommt dieser Satz, den wahrscheinlich viele kennen: …
Ich kann mir heute vertrauen. Das ist ein Satz, den ich vor vielen Jahren wahrscheinlich nicht hätte sagen können, jedenfalls nicht mit der Bedeutung, die er heute für mich hat. Dabei war ich auch früher ein Mensch, der viel geschafft hat. Ich habe studiert, promoviert, mich durch schwierige Zeiten gekämpft, Ausbildungen gemacht, Ziele verfolgt und …
Vertrauen fällt mir schwer. Sehr schwer sogar. Und wenn ich darüber nachdenke, was es für mich bedeutet, wieder Vertrauen zu lernen, merke ich, wie tief dieses Thema eigentlich reicht. Ich würde gerne sagen können, dass ich nach allem, was ich in meinem Leben erfahren, gelernt und über mich verstanden habe, heute dieses tiefe Vertrauen in …
Es sind manchmal ganz kleine Situationen. Du weißt nicht genau, wie etwas gemeint ist. Du musst eine Entscheidung treffen und kannst noch nicht absehen, welche die bessere sein wird. Etwas läuft anders als erwartet. Eine Information fehlt. Niemand hat dir gesagt, wie du dich in dieser Situation verhalten sollst. Eigentlich nichts Dramatisches. Und trotzdem kann …
Gestern Abend habe ich mit knapp 80 Menschen meinen neuen NeuroMandala QuickStart gezeichnet. Entstanden ist dabei mein NeuroMandala der Lebendigkeit. Wie immer in meinen Live-Zeichensessions habe ich selbst mitgezeichnet. Ich zeige nicht einfach, was zu tun ist, sondern gehe mit meinem eigenen Erleben in den Prozess. Ich weiß dabei genauso wenig wie alle anderen, was …
Ein kleines Kind sitzt auf seinem Bett. Aus dem Wohnzimmer dringen laute Stimmen. Es versteht nicht, worum es geht. Es weiß nur, dass sich etwas in seinem Bauch zusammenzieht. Es hält den Atem an und lauscht. Alles in ihm wird still. Irgendwie hält es diesen Moment aus. Und ohne dass es irgendjemand bemerkt, findet sein …
Atme ein paar Mal bewusst ein und aus. Spüre deine Füße auf dem Boden. Leg eine Hand auf dein Herz. Schau dich im Raum um und nimm wahr, was gerade da ist. Diese kleinen Übungen kursieren inzwischen fast überall, in Therapie, in Ratgebern, in Coaching-Formaten. Und das aus gutem Grund: Sie sind einfach, und doch …
Immer wieder bleibe ich hängen. Ein Reel, ein kurzes Video, ein paar Stories, und ich scrolle nicht weiter. Eine Frau, allein, irgendwo auf einer Landstraße in Asien. Sie hitchhikt, schläft draußen, hat kaum Geld. Man sieht den Staub an ihren Beinen, das Zelt notdürftig neben der Straße aufgebaut, die Erschöpfung in den Augen kurz bevor …
„Wenn ich nichts leiste, bin ich nichts wert.“ Diesen Satz hätte ich damals, mitten im Hamsterrad, niemals laut ausgesprochen. Und doch hat er mein Leben über Jahrzehnte geprägt, nicht als Gedanke, den ich bewusst gedacht hätte, sondern als etwas, das darunter lag. Als eine unsichtbare Kraft, die mein Handeln angetrieben hat. Ich habe gute Noten geschrieben, studiert, …
Ich habe mich zurückgezogen, und zwar nicht für ein paar Wochen oder Monate, sondern über viele Jahre. So oft war ich verletzt worden. So oft missverstanden. So oft hatte ich erlebt, dass Verbindung plötzlich abriss, ohne dass ich wirklich verstand, warum. Menschen zogen sich zurück, Gespräche endeten im Nichts, oder ich hatte das Gefühl, dass …
Vor kurzem habe ich eine E-Mail geschrieben. Nichts Dramatisches, einfach klar gesagt, was ich mache und was nicht. Keine lange Begründung, keine Entschuldigung. Nur das. Und trotzdem hatte ich dabei kein gutes Gefühl. Dieses vertraute innere Unbehagen, das ich so gut kenne: Habe ich das jetzt richtig formuliert? Klingt das zu hart? Zu abweisend? Wird …
Ich komme in einen Raum und nehme sofort wahr, wie die Stimmung ist. Ich schaue in Gesichter, höre auf Stimmen und registriere oft innerhalb weniger Sekunden, ob Menschen entspannt wirken, angespannt sind oder mit ihren Gedanken ganz woanders. Wenn mir jemand freundlich begegnet, entspannt sich etwas in mir. Wenn ein Gesicht verschlossen wirkt oder eine …
Letztens wollte ich in einer WhatsApp-Gruppe schreiben, dass meine To-do-Liste für heute noch ziemlich lang ist. Die Autokorrektur machte daraus: „Meine To-Doris-Liste ist noch ziemlich lang.“ Ich musste laut lachen. Es klang herrlich. Und es wirkte überhaupt nicht wie ein Tippfehler. Im Gegenteil, es klang, als gäbe es tatsächlich eine eigene Kategorie von Aufgaben. …
Wer zum ersten Mal neurographische Zeichnungen sieht, ist oft fasziniert. Irgendetwas an ihnen zieht den Blick an, auch wenn wir gar nicht genau sagen können, warum. Vielleicht liegt es an den Linien selbst: Sie erinnern an Flüsse, an Wurzeln, nie ganz gerade, immer ein Stück eigenwillig. Ganz anders als die geraden Linien, die uns sonst …
