Ich habe mich zurückgezogen, und zwar nicht für ein paar Wochen oder Monate, sondern über viele Jahre. So oft war ich verletzt worden. So oft missverstanden. So oft hatte ich erlebt, dass Verbindung plötzlich abriss, ohne dass ich wirklich verstand, warum. Menschen zogen sich zurück, Gespräche endeten im Nichts, oder ich hatte das Gefühl, dass …
Vor kurzem habe ich eine E-Mail geschrieben. Nichts Dramatisches, einfach klar gesagt, was ich mache und was nicht. Keine lange Begründung, keine Entschuldigung. Nur das. Und trotzdem hatte ich dabei kein gutes Gefühl. Dieses vertraute innere Unbehagen, das ich so gut kenne: Habe ich das jetzt richtig formuliert? Klingt das zu hart? Zu abweisend? Wird …
Ich komme in einen Raum und nehme sofort wahr, wie die Stimmung ist. Ich schaue in Gesichter, höre auf Stimmen und registriere oft innerhalb weniger Sekunden, ob Menschen entspannt wirken, angespannt sind oder mit ihren Gedanken ganz woanders. Wenn mir jemand freundlich begegnet, entspannt sich etwas in mir. Wenn ein Gesicht verschlossen wirkt oder eine …
Letztens wollte ich in einer WhatsApp-Gruppe schreiben, dass meine To-do-Liste für heute noch ziemlich lang ist. Die Autokorrektur machte daraus: „Meine To-Doris-Liste ist noch ziemlich lang.“ Ich musste laut lachen. Es klang herrlich. Und es wirkte überhaupt nicht wie ein Tippfehler. Im Gegenteil, es klang, als gäbe es tatsächlich eine eigene Kategorie von Aufgaben. Eine To-Doris-Liste …
Wer zum ersten Mal neurographische Zeichnungen sieht, ist oft fasziniert. Irgendetwas an ihnen zieht den Blick an, auch wenn wir gar nicht genau sagen können, warum. Vielleicht liegt es an den Linien selbst: Sie erinnern an Flüsse, an Wurzeln, nie ganz gerade, immer ein Stück eigenwillig. Ganz anders als die geraden Linien, die uns sonst …
Vielleicht kennst du diesen Moment. Jemand widerspricht dir. Eigentlich geht es nur um eine andere Sichtweise. Und trotzdem zieht sich innerlich alles zusammen. Du stellst plötzlich alles in Frage. Manchmal reicht dafür ein Satz wie: „Du siehst das falsch.“ Oder: „Das hast du missverstanden.“ Oder, noch subtiler: „Da bist du leider in eine Falle getappt.“ …
Vor Kurzem waren mein Mann und ich mehrere Tage mit dem Fahrrad unterwegs. Dabei ist mir etwas wieder sehr deutlich aufgefallen, das mich schon viele Jahre beschäftigt. Eines der Dinge, die mir wirklich Sicherheit geben und mir das Gefühl vermitteln, sicher zu sein, ist eine warme Jacke im Gepäck. Das Wetter war gut vorhergesagt, die warme …
Es gibt dieses leise Unruhigsein, das sich oft gar nicht richtig greifen lässt. Du triffst eine Entscheidung, gehst einen Weg, sagst Ja zu einer Richtung, und trotzdem bleibt in dir ein Rest: kein klarer Zweifel, kein lauter Widerstand, eher ein feines Ziehen, ein inneres Mitdenken anderer Möglichkeiten. Ein Teil von dir ist schon weitergegangen, während …
Eine persönliche Erfahrung mit NervensystemarbeitIn meinem Blog-Artikel Warum Gefühle bleiben – die neurobiologische Realität hinter der 90-Sekunden-Regel habe ich beschrieben, warum emotionale Zustände neurobiologisch gesehen nicht einfach verschwinden, wenn die erste körperliche Reaktion abklingt. Was das Gehirn danach leistet – fortlaufendes Einordnen, Prüfen, Bedeutung bilden – hält Aktivierung am Leben, solange eine Situation als ungeklärt gilt. …
Ich bin aufgewacht und wusste es. Fast ein halbes Jahr lang war es einfach da. Etwas, das ich mir vorgenommen hatte, für das ich aber gerade weder Zeit noch die nötige Motivation habe. Ich wollte es nicht fallen lassen, konnte es aber auch nicht wirklich angehen. Also lief es mit, unterschwellig, leise, als ein dauerhafter Unterton. …
In der Nervensystemarbeit wird häufig davon gesprochen, dass ein Gefühl nur etwa 90 Sekunden dauert. Danach, so die verbreitete Vorstellung, sei die körperliche Stressreaktion abgeschlossen. Wenn ein emotionaler Zustand länger anhält, müsse er mit früheren Erfahrungen zusammenhängen.Diese Idee hat einen wahren Kern. Gleichzeitig greift sie neurobiologisch zu kurz. Um zu verstehen, warum emotionale Zustände bleiben …
Es gibt einen Satz, den ich in meiner Arbeit immer wieder höre. Er klingt jedes Mal ein bisschen anders, meint aber dasselbe: „Ich weiß, dass ich das nicht mehr brauche. Ich verstehe es sogar. Aber ich kann es trotzdem nicht lassen.“ Funktionieren, obwohl man erschöpft ist. Stark sein, obwohl man Nähe braucht. Verantwortung übernehmen, obwohl niemand …
Etwa dreißig Tage lang lag dieser Wal auf der Sandbank. Man hatte ihn befreit, er strandete wieder. Als wäre er in etwas gefangen, das sich nicht einfach lösen ließ. Irgendwann kam das Gutachten. Von Wissenschaftlern, die von außen schauten, die Lage einschätzten und ein Ergebnis formulierten, das klar klang: keine Überlebenschance. Man solle ihn würdevoll sterben …
Das Ich ist der Teil von dir, den du kennst.Das Selbst ist das, was dich kennt. Es gibt Momente, in denen Menschen spüren, dass das Leben, das sie führen, und das Leben, das sie eigentlich leben wollen, zwei verschiedene Dinge sind. Nicht weil sie sich schlecht entschieden hätten. Nicht weil irgendjemand böse gemeint hätte. Sondern weil …
Warum Veränderung keiner Methode, sondern Bedingungen folgtDiese Artikelreihe kreist um die innere Logik von Veränderung im Nervensystem.Sie ist nicht entstanden, um neue Methoden vorzustellen, sondern aus einer tieferen Frage: Was macht Veränderung überhaupt möglich?Viele Menschen suchen nach der richtigen Methode. Sie probieren aus, wechseln, vertiefen, halten durch. Und irgendwann beginnen sie an sich selbst zu …
Wenn Veränderung sich nicht „fertig“ anfühltViele Menschen berichten nach tiefgehenden inneren Prozessen von einem ähnlichen Erleben. Zunächst entsteht Erleichterung, Weite oder Klarheit. Etwas hat sich spürbar verschoben. Und dann – manchmal Tage oder Wochen später – tauchen alte Gefühle, Unsicherheiten oder bekannte Muster wieder auf. Sie sind meist weniger intensiv als früher, aber deutlich genug, …
