Es sind manchmal ganz kleine Situationen. Du weißt nicht genau, wie etwas gemeint ist. Du musst eine Entscheidung treffen und kannst noch nicht absehen, welche die bessere sein wird. Etwas läuft anders als erwartet. Eine Information fehlt. Niemand hat dir gesagt, wie du dich in dieser Situation verhalten sollst. Eigentlich nichts Dramatisches. Und trotzdem kann erstaunlich schnell eine innere Unruhe entstehen.
Dann beginnt die Suche nach einer Antwort. Du googelst, fragst jemanden, der es wissen könnte, suchst nach einer Regel oder möchtest hören, wie ein anderer Mensch entscheiden würde. Manchmal brauchst du diese Information tatsächlich. Niemand muss alles selbst wissen und es wäre wenig sinnvoll, auf die Erfahrung und das Wissen anderer Menschen zu verzichten. Aber manchmal kennst du vermutlich auch das: Eigentlich kannst du selbst eine Entscheidung treffen. Trotzdem möchtest du noch einmal jemanden fragen.
Mich interessiert, was in diesem kleinen Moment passiert. Denn möglicherweise suchst du in diesen Situationen gar nicht nur nach einer Information. Vielleicht geht es auch darum, einen inneren Zustand zu beenden.
Die psychologische Forschung kennt dafür den Begriff der Unsicherheitsintoleranz, im Englischen intolerance of uncertainty. Gemeint ist damit nicht einfach, dass du etwas nicht weißt. Unsicherheit gehört schließlich zum Leben. Du kannst nie vollständig wissen, was morgen geschieht, wie ein anderer Mensch reagieren wird oder ob eine Entscheidung wirklich die richtige war. Entscheidend ist vielmehr, was dieses Nichtwissen in dir auslöst und wie gut du den damit verbundenen inneren Zustand aushalten kannst. Unsicherheitsintoleranz wird dabei inzwischen nicht nur im Zusammenhang mit Angst betrachtet, sondern als ein Prozess, der bei unterschiedlichen psychischen Belastungen eine Rolle spielen kann (Carleton, 2016).
Grupe und Nitschke (2013) beschreiben Unsicherheit aus neurobiologischer Sicht als einen wesentlichen Bestandteil von Angst: Wenn du nicht weißt, was auf dich zukommt, kannst du schlechter vorhersagen, ob etwas Bedrohliches geschehen wird und wie du darauf reagieren kannst. Dein Gehirn versucht fortlaufend, aus bisherigen Erfahrungen Vorhersagen darüber abzuleiten, was als Nächstes geschehen könnte. Je weniger vorhersagbar eine Situation ist, desto schwieriger wird diese Aufgabe. Unsicherheit kann deshalb deine Aufmerksamkeit verstärkt auf mögliche Gefahren richten und körperliche wie emotionale Alarmreaktionen fördern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass unser Gehirn Unsicherheit grundsätzlich vermeiden möchte. Sonst würden wir keine unbekannten Länder bereisen, keine neuen Menschen kennenlernen, keine Bücher aufschlagen, deren Ende wir noch nicht kennen, und hätten als Kind nie neugierig die Welt erkundet. Ungewissheit kann auch Spannung, Neugier und Entdeckungsfreude auslösen. Die entscheidende Frage ist deshalb für mich eine andere: Wann können wir einen unbekannten Ausgang als offenen Raum erleben, und wann wird derselbe offene Raum für unser Nervensystem zur Bedrohung?
An diesem Punkt wird Trauma für mich wichtig. Traumatische Erfahrungen können sich so anfühlen, als reichten die bisherigen Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen, nicht mehr aus: Etwas ist zu viel, zu schnell, zu überwältigend oder nicht zu bewältigen. Bildlich gesprochen kann es dir den Boden unter den Füßen wegziehen.
Wenn dir die Unsicherheit den Boden unter den Füßen wegzieht
Ich mag dieses Bild, weil es etwas beschreibt, das sich nicht allein auf der gedanklichen Ebene abspielt. Wenn ich mit beiden Füßen fest auf dem Boden stehe, kann um mich herum einiges unklar sein. Ich muss nicht alles wissen. Ich kann schauen, abwägen, warten und ausprobieren. Ich habe einen Boden, von dem aus ich der Unsicherheit begegnen kann.
Nach traumatischen Erfahrungen kann genau diese Bodenhaftung leichter verloren gehen. Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch mit Trauma-Hintergrund Unsicherheit schlecht aushält. Studien zeigen jedoch Zusammenhänge zwischen einer höheren Unsicherheitsintoleranz und posttraumatischen Symptomen. In einer klinischen Stichprobe traumaexponierter Menschen hing eine höhere Unsicherheitsintoleranz insbesondere mit Vermeidung, Übererregung und emotionaler Taubheit zusammen. Auch Untersuchungen mit Menschen mit einer diagnostizierten PTBS weisen in diese Richtung (Oglesby et al., 2017; Badawi et al., 2022). Daraus lässt sich keine einfache Ursache-Wirkungs-Beziehung ableiten. Es zeigt aber, dass sich ein genauerer Blick auf die Verbindung zwischen traumatischen Erfahrungen und dem Erleben von Unsicherheit lohnt. Wie sich solche traumatischen Prägungen im Nervensystem organisieren und warum sie den eigenen Möglichkeitsraum enger werden lassen, beschreibe ich ausführlicher in Trauma verstehen, was im Inneren weiterwirkt.
Damit erscheint eine scheinbar banale Frage plötzlich in einem anderen Licht. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass jemand nicht selbst denken oder entscheiden möchte. Das offene Ende einer Situation kann im Nervensystem etwas anderes auslösen: Du weißt nicht, was passiert. Du weißt nicht, was richtig ist. Du kannst nicht einschätzen, welche Folgen deine Entscheidung haben wird. Das Nichtwissen fühlt sich dann nicht mehr nur offen an. Es fühlt sich unsicher an.
Eine Antwort von außen kann in diesem Moment weit mehr bewirken, als eine Information zu liefern. „Mach es so.“ „Das ist richtig.“ „Da kann nichts passieren.“ Plötzlich ist die offene Schleife geschlossen. Du musst nicht mehr entscheiden und für einen Moment kehrt Ruhe ein.
Die Antwort hat dann nicht nur ein sachliches Problem gelöst. Sie kann in diesem Moment auch regulierend auf dein Nervensystem wirken.
Warum du gerade dann schlechter entscheiden kannst
Hier entsteht ein interessantes Paradox. Je stärker dich eine Unsicherheit innerlich destabilisiert, desto dringender möchtest du häufig eine Lösung finden. Gleichzeitig kann genau dieser Zustand es schwieriger machen, klar und differenziert über eine Lösung nachzudenken.
Unter stärkerem Stress verändert sich die Arbeitsweise deines Gehirns. Besonders der präfrontale Cortex, der unter anderem an Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, Abwägung und der flexiblen Steuerung deines Verhaltens beteiligt ist, reagiert empfindlich auf Stress. Amy Arnsten beschreibt, wie hohe Konzentrationen der bei Stress ausgeschütteten Botenstoffe die präfrontale Verarbeitung beeinträchtigen können. Unter solchen Bedingungen greifst du leichter auf stärker automatisierte und bereits eingeübte Reaktionsweisen zurück (Arnsten, 2009).
Das entspricht ziemlich genau dem, was du aus deinem Alltag kennst. Wenn du ruhig und innerlich stabil bist, siehst du häufig mehrere Möglichkeiten. Du kannst eine Situation von verschiedenen Seiten betrachten, etwas noch einmal überschlafen oder sagen: „Ich weiß es gerade nicht. Ich schaue morgen noch einmal.“ Wenn dein System dagegen bereits im Alarm ist, wird dein Denken enger. Du willst eine Lösung. Möglichst jetzt. Die Situation selbst verlangt dabei oft gar keine sofortige Entscheidung, du willst nur diesen Zustand beenden.
Deshalb wäre mir eine Aufforderung wie „Vertrau dir einfach und entscheide selbst“ viel zu kurz gegriffen. Für eine eigene Entscheidung brauchst du einen inneren Zustand, aus dem heraus du überhaupt wahrnehmen, unterscheiden und abwägen kannst. Und genau deshalb bedeutet Bodenhaftung für mich auch nicht, die Antwort zu kennen.
Bodenhaftung bedeutet, bei dir selbst bleiben zu können, während du die Antwort noch nicht kennst.
Vielleicht spürst du deine Füße auf dem Boden, nimmst deinen Atem wahr und merkst, wie aufgeregt du gerade bist. Vielleicht bemerkst du auch den starken Impuls, sofort jemanden zu fragen: „Was soll ich machen?“ Wenn du diesem Impuls nicht unmittelbar folgen musst, entsteht zwischen der Unsicherheit und deiner Reaktion ein kleiner Raum.
In diesem Raum kannst du dich wieder wahrnehmen. Was weißt du bereits? Was fehlt dir tatsächlich noch an Information? Was sagt deine Erfahrung? Welche Möglichkeiten hast du? Und vielleicht die schwierigste Frage von allen: Was wäre eigentlich, wenn du dich irrst?
Damit verändert sich die Aufgabe. Du musst die Unsicherheit nicht zuerst beseitigen, um wieder sicher zu sein. Du kannst lernen, in dir selbst genügend Boden zu finden, während etwas im Außen noch ungeklärt ist.
Wenn die schnelle Antwort zur Lösung wird
Wenn du unsicher bist, jemanden fragst und anschließend Erleichterung spürst, ist daran zunächst einmal nichts problematisch. Du bist als Mensch ein soziales Wesen. Du orientierst dich an anderen, holst dir Rat, gleichst deine Wahrnehmung mit der von anderen ab und nutzt das Wissen von Menschen, die mehr Erfahrung haben als du. Auch Co-Regulation gehört zu deinem Leben.
Interessant wird es dort, wo sich ein bestimmter Ablauf immer wiederholt: Eine Unsicherheit entsteht, dein innerer Zustand wird unangenehm, du suchst eine Antwort im Außen und sobald du sie bekommst, lässt die Anspannung nach. Dein System macht dabei eine Erfahrung: So werde ich dieses unangenehme Gefühl wieder los. Gerade weil diese Strategie funktioniert, kann sie sich festigen.
Aus lerntheoretischer Sicht lässt sich dieser Prozess als negative Verstärkung verstehen. Damit ist nicht gemeint, dass etwas „negativ“ oder schlecht wäre. Ein Verhalten wird wahrscheinlicher, weil durch dieses Verhalten ein unangenehmer Zustand vermindert wird. Wenn die Rückversicherung durch einen anderen Menschen deine Unsicherheit reduziert, steigt also die Wahrscheinlichkeit, dass du beim nächsten Mal wieder danach suchst.
Die Angstforschung kennt diesen Mechanismus besonders gut. Vermeidung und sogenannte Sicherheitsverhaltensweisen können kurzfristig Angst reduzieren, gleichzeitig aber verhindern, dass eine andere Erfahrung gemacht wird: dass eine befürchtete Situation möglicherweise auch ohne diese Absicherung bewältigt werden kann. Ähnliche Prozesse werden für wiederholtes Rückversicherungsverhalten beschrieben. Die unmittelbare Erleichterung ist real. Gerade sie kann jedoch dazu beitragen, dass das Bedürfnis nach erneuter Rückversicherung bestehen bleibt (Salkovskis, 1991; Rachman, 2002).
Auf deinen Umgang mit Unsicherheit übertragen bedeutet das: Wenn du einen offenen Zustand immer möglichst schnell beendest, machst du nur selten die Erfahrung, dass du ihn auch aushalten kannst.
Was lernst du über dich, wenn immer jemand anderes die Antwort gibt?
Bei jeder Unsicherheit geht es deshalb neben der sachlichen Frage noch um einen zweiten Lernprozess. Du lernst etwas darüber, was du dir selbst zutraust.
Albert Bandura bezeichnete die Überzeugung, aufgrund eigener Fähigkeiten mit Anforderungen und schwierigen Situationen umgehen zu können, als Selbstwirksamkeitserwartung. Sie entsteht wesentlich durch eigene Bewältigungserfahrungen. Du entwickelst Selbstwirksamkeit nicht dadurch, dass dir jemand versichert, du könntest etwas bewältigen. Besonders wirksam ist die Erfahrung: Ich habe mich einer Situation gestellt und erlebt, dass ich etwas tun kann (Bandura, 1977, 1997).
Im Zusammenhang mit Unsicherheit bedeutet Selbstwirksamkeit deshalb nicht, dass du die richtige Antwort kennst oder deine Entscheidungen immer richtig sind. Sie bedeutet viel eher: Du kannst handeln, auch wenn du noch nicht weißt, wie alles ausgehen wird.
Dafür brauchst du Situationen, in denen du genau das erleben kannst. Du musst wahrnehmen, abwägen und dich vielleicht entscheiden, obwohl dir nicht sämtliche Informationen zur Verfügung stehen. Manchmal wirst du feststellen, dass deine Entscheidung gut war. Manchmal wirst du merken, dass du dich geirrt hast und korrigieren, neu überlegen oder einen anderen Weg einschlagen.
All diese Erfahrungen können dir etwas vermitteln, das dir keine noch so gute Antwort eines anderen Menschen geben kann: Du kannst mit dir und mit dem, was geschieht, umgehen. Wenn dir dagegen immer jemand sagt, was du tun sollst, kann die konkrete Situation zwar gelöst sein. Eine eigene Bewältigungserfahrung hast du damit aber möglicherweise nicht gemacht.
Unterstützung oder Rückversicherung?
Deshalb geht es mir hier überhaupt nicht darum, dass du möglichst wenig fragst oder alles mit dir selbst ausmachst. Das wäre keine Selbstwirksamkeit. Du brauchst andere Menschen. Manchmal fehlt dir tatsächlich Wissen, manchmal brauchst du jemanden, der mehr Erfahrung hat, und manchmal hilft ein Gespräch, die eigenen Gedanken zu sortieren. Gerade nach belastenden oder traumatischen Erfahrungen kann Co-Regulation auch ein wichtiger Teil davon sein, überhaupt wieder Zugang zu den eigenen Möglichkeiten zu finden.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht: Darfst du jemanden fragen? Interessanter ist: Was suchst du gerade bei diesem Menschen?
Brauchst du eine Information, die du selbst nicht hast? Möchtest du eine andere Perspektive kennenlernen? Hilft dir das Gespräch dabei, deine eigene Wahrnehmung klarer zu hören? Oder wünschst du dir, dass der andere dir die Entscheidung abnimmt und damit auch die Unsicherheit, die zu dieser Entscheidung gehört?
Von außen kann beides nahezu identisch aussehen. Jemand fragt: „Was würdest du machen?“ Innerlich können jedoch völlig unterschiedliche Prozesse stattfinden. Eine Antwort kann deinen eigenen Entscheidungsraum erweitern. Du hörst sie, denkst darüber nach, gleichst sie mit deiner Wahrnehmung ab und entscheidest anschließend selbst. Sie kann diesen Entscheidungsraum aber auch ersetzen. Dann brauchst du vom anderen nicht nur seine Sichtweise, sondern die Gewissheit: Das ist richtig. So darfst du es machen. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.
Und genau diese Gewissheit kann dir letztlich niemand geben.
Vielleicht geht es gar nicht darum, richtig zu entscheiden
Hinter dem Wunsch nach einer eindeutigen Antwort steckt häufig noch eine weitere Vorstellung: Es müsse für eine Situation die richtige Entscheidung geben und wenn du nur lange genug nachdenkst oder den richtigen Menschen fragst, könntest du sie finden. Aber viele Entscheidungen deines Lebens funktionieren so nicht.
Du entscheidest mit dem Wissen, das dir in diesem Moment zur Verfügung steht. Du kennst weder alle Bedingungen noch alle zukünftigen Entwicklungen. Erst hinterher weißt du manchmal, wohin eine Entscheidung geführt hat. Und selbst dann lässt sich häufig nicht sagen, was geschehen wäre, wenn du dich anders entschieden hättest.
Vielleicht brauchst du deshalb weniger Vertrauen darin, immer die richtige Entscheidung treffen zu können. Vielleicht brauchst du ein anderes Vertrauen:
Ich vertraue mir nicht deshalb, weil ich mich niemals irren werde. Ich vertraue mir, weil ich auch dann bei mir bleiben und neu entscheiden kann, wenn ich mich geirrt habe.
Für einen Menschen, der erfahren hat, dass Fehler gefährlich sind, kann das ein enormer Schritt sein. Wenn ein Fehler früher Beschämung, Liebesentzug, heftige Kritik oder andere unangenehme Konsequenzen nach sich zog, ist die Suche nach der richtigen Entscheidung nicht einfach Perfektionismus. Sie kann einmal eine sehr sinnvolle Strategie gewesen sein. Wer möglichst genau herausfindet, was erwartet wird, verringert das Risiko.
Auch deshalb finde ich den Satz „Du musst dir einfach mehr vertrauen“ schwierig. Vertrauen lässt sich nicht beschließen. Es wächst aus Erfahrungen. Eine davon könnte sein: Ich wusste nicht genau, was richtig war. Ich habe trotzdem entschieden. Vielleicht war meine Entscheidung gut, vielleicht musste ich sie korrigieren. Aber ich bin nicht untergegangen. Ich hatte einen Boden und ich habe ihn auch dann wiedergefunden, als etwas anders gekommen ist, als ich gehofft hatte.
Was geschieht, wenn du die Unsicherheit nicht sofort beendest?
Vielleicht liegt genau hier ein Entwicklungsschritt, den du leicht übersiehst. Du bist es gewohnt, Entwicklung mit Wissen zu verbinden. Du lernst etwas dazu, verstehst Zusammenhänge besser, sammelst Erfahrungen und hast dadurch irgendwann mehr Antworten als vorher.
Aber Entwicklung braucht noch etwas anderes: Situationen, in denen du die Antwort gerade noch nicht kennst.
Solange du dich ausschließlich innerhalb dessen bewegst, was du bereits weißt und beherrschst, kannst du deine bisherigen Erfahrungen wiederholen und verfeinern. Etwas wirklich Neues kann erst dort entstehen, wo du dich ein Stück über das Bekannte hinausbewegst. Und dort gibt es zwangsläufig einen Moment, in dem du noch nicht weißt, was geschehen wird.
Das gilt für große Lebensentscheidungen genauso wie für kleine Dinge. Du weißt nicht, wie ein Gespräch verlaufen wird, bevor du es führst. Du weißt nicht, ob dir etwas Freude machen wird, bevor du es ausprobierst. Du weißt nicht, wie ein Mensch auf dich reagiert, wenn du dich anders zeigst als bisher. Und du weißt nicht, wohin ein neuer Weg führt, bevor du begonnen hast, ihn zu gehen.
Entwicklung und Unsicherheit lassen sich deshalb gar nicht vollständig voneinander trennen.
Dein Gehirn kann Unsicherheit auch mit Neugier beantworten
Gerade aus neurobiologischer Sicht ist das spannend. Denn du bist keineswegs nur darauf ausgerichtet, Unbekanntes möglichst schnell vorhersehbar zu machen. Menschen besitzen ein ausgeprägtes Explorationsverhalten. Du wendest dich Neuem zu, suchst Informationen und probierst Dinge aus, obwohl du vorher nicht weißt, was dabei herauskommen wird.
Neugier wird in der Forschung als ein motivationaler Zustand verstanden, der dich dazu bringt, Informationslücken zu schließen und Neues zu erkunden. Untersuchungen von Kang und Kollegen (2009) zeigten beispielsweise, dass hohe Neugier mit Aktivität in Hirnregionen des Belohnungssystems verbunden war. Gruber, Gelman und Ranganath (2014) konnten darüber hinaus zeigen, dass ein Zustand erhöhter Neugier das Lernen und Erinnern neuer Informationen verbessern kann.
Nichtwissen muss deshalb nicht ausschließlich ein Mangel sein, den du möglichst schnell beseitigen musst. Es kann auch etwas in Bewegung bringen. Entscheidend könnte sein, wie sicher du dich fühlst, während du etwas noch nicht weißt. Wenn dein Nervensystem die offene Situation als Gefahr bewertet, richtet sich deine Aufmerksamkeit darauf, möglichst schnell wieder Sicherheit herzustellen. Wenn du dagegen genügend Boden unter den Füßen hast, kann dieselbe Lücke etwas völlig anderes auslösen: Ich weiß es noch nicht. Mal sehen, was passiert.
Vom Kontrollieren zum Erkunden
Wenn dein System mit Gefahrenabwehr und der Wiederherstellung von Sicherheit beschäftigt ist, wird dein Handlungsspielraum enger. Das hast du bereits beim Einfluss von Stress auf die präfrontale Verarbeitung gesehen. Damit Exploration möglich wird, brauchst du genügend innere Sicherheit, um deine Aufmerksamkeit dem Unbekannten zuwenden zu können.
Vielleicht lässt sich genau das körperlich als Bodenhaftung beschreiben. Solange du damit beschäftigt bist, nicht umzufallen, kannst du kaum neugierig in die Ferne schauen. Wenn du dagegen spürst, dass du stehst, darfst du dich bewegen.
Ich finde dieses Bild wichtig, weil es Potenzialentfaltung aus einer Ecke herausholt, in die sie leicht gerät. Potenzialentfaltung bedeutet dann nicht, immer mutiger zu werden, größere Ziele zu verfolgen oder ständig die eigene Komfortzone zu verlassen. Ein Nervensystem lässt sich nicht sinnvoll zur Entwicklung zwingen.
Vielleicht beginnt Potenzialentfaltung viel unspektakulärer: Du bist sicher genug, um etwas noch nicht zu wissen. Du kannst eine Möglichkeit betrachten, ohne sofort entscheiden zu müssen, ausprobieren, ohne vorher die Garantie zu haben, dass es funktioniert, und einen Weg beginnen, ohne sicher zu sein, dass er deiner bleibt.
Das ist Exploration. Und Exploration braucht einen offenen Ausgang.
Wenn ein Fehler keine Katastrophe mehr ist
Damit verändert sich auch die Bedeutung von Fehlern. Solange du glaubst, dass du die richtige Entscheidung finden musst, ist ein Fehler der Beweis dafür, dass du sie nicht gefunden hast. Vielleicht hast du nicht gründlich genug nachgedacht, hättest jemanden fragen sollen oder kannst deiner eigenen Wahrnehmung doch nicht vertrauen.
Wenn du eine Situation dagegen als Erkundung begreifst, bekommt ein unerwartetes Ergebnis eine andere Bedeutung. Dann hast du nicht zwangsläufig versagt. Du hast etwas erfahren, das du vorher noch nicht wissen konntest.
Auch aus Sicht des Lernens ist das interessant. Dein Gehirn arbeitet fortlaufend mit Erwartungen darüber, was als Nächstes geschehen könnte. Weicht das tatsächliche Ergebnis von der Erwartung ab, entsteht ein Vorhersagefehler. Solche Abweichungen sind für Lernen von zentraler Bedeutung, weil sie anzeigen, dass dein bisheriges Modell der Situation angepasst werden muss (Schultz, Dayan & Montague, 1997).
Natürlich fühlt sich nicht jeder Irrtum angenehm an. Manche Entscheidungen haben erhebliche Konsequenzen und niemand muss schwere Fehler als wunderbare Lerngelegenheit verklären. Aber ein Leben, in dem jeder Irrtum vermieden werden muss, hat einen hohen Preis. Du kannst dich dann nur noch dort bewegen, wo du das Ergebnis bereits einigermaßen kontrollieren kannst. Dein Leben wird vielleicht vorhersehbarer, dein Möglichkeitsraum aber auch kleiner.
Vielleicht braucht Potenzialentfaltung genau diesen offenen Raum
Gerald Hüther beschreibt Potenzialentfaltung immer wieder als einen Prozess, für den Menschen günstige Bedingungen brauchen, statt von außen geformt und in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden. Entscheidend sind Erfahrungen, in denen du selbst gestaltest, eigene Möglichkeiten entdeckst und neue Wege erprobst (Hüther, 2011). Genau darin sehe ich eine enge Verbindung zu deinem Umgang mit Unsicherheit. Denn selbst gestalten kannst du nur dort, wo noch nicht alles festgelegt ist. Was Potenzialentfaltung in diesem Sinn wirklich bedeutet und wie alte Lösungen im Gehirn entstehen, beschreibe ich ausführlicher in Kreative Potentialentfaltung: Was Entfaltung wirklich bedeutet.
Wenn jemand anderes bereits weiß, was für dich richtig ist und dir sagt, welchen Weg du gehen sollst, kannst du diesem Weg folgen und damit vielleicht sogar sehr erfolgreich sein. Aber du erfährst dabei noch lange nicht, was du selbst wahrnimmst, was dir entspricht und welche Lösung du gefunden hättest. Ähnlich ist es mit Regeln. Sie können Orientierung geben und manchmal sind sie notwendig. Wenn du jedoch für jede Situation eine eindeutige Regel brauchst, musst du deine eigene Wahrnehmung kaum befragen. Und wenn du vor jedem Schritt wissen musst, wohin er dich führen wird, bleiben dir letztlich nur die Wege, deren Verlauf du bereits kennst.
Potenzialentfaltung braucht deshalb für mich Sicherheit und Offenheit zugleich. Du brauchst genügend Sicherheit in dir, um dich auf etwas einlassen zu können, das im Außen noch nicht sicher ist. Du brauchst Boden unter deinen Füßen, gerade weil du noch nicht weißt, wohin der nächste Schritt führen wird. Diese Form von Sicherheit unterscheidet sich grundlegend von dem Versuch, Sicherheit durch Kontrolle herzustellen. Du musst nicht wissen, was hinter der nächsten Kurve liegt. Viel wichtiger ist die Erfahrung, dass du weitergehen, stehen bleiben, umkehren oder einen anderen Weg wählen kannst, wenn du dort angekommen bist.
Vielleicht ist das sogar eine Voraussetzung dafür, dass du dein Potenzial überhaupt entdecken kannst. Denn Potenzial ist seinem Wesen nach etwas, das noch nicht vollständig verwirklicht ist. Du kannst nicht im Voraus genau wissen, wer du sein wirst, wenn du etwas Neues wagst, welche Fähigkeiten sich dabei entwickeln oder welche Möglichkeiten sich aus einer Erfahrung ergeben. Würdest du nur das zulassen, dessen Ergebnis du bereits kennst, könntest du letztlich auch nur das wiederholen, was in deinem bisherigen Leben schon möglich war.
Ich weiß es noch nicht
Vor diesem Hintergrund bekommt ein ganz unscheinbarer Satz eine neue Bedeutung: Ich weiß es noch nicht. Du hast gelernt, Wissen mit Kompetenz und Souveränität zu verbinden. Wer eine Antwort hat, scheint klar zu sein. Wer lange überlegen muss oder offen sagt, etwas noch nicht zu wissen, wirkt dagegen schnell unsicher. Dabei könnte gerade darin eine andere Form von Souveränität liegen.
„Ich weiß es noch nicht“ bedeutet schließlich nicht, dass ich hilflos bin. Es bedeutet zunächst nur, dass eine Frage noch offen ist. Du kannst darüber nachdenken, in dich hineinspüren, Informationen sammeln, andere Menschen fragen, eine Weile warten oder etwas ausprobieren. Vielleicht findest du irgendwann eine klare Antwort. Vielleicht musst du eine Entscheidung treffen, obwohl ein Rest Unsicherheit bleibt. Und vielleicht zeigt sich erst durch deine Entscheidung, was für dich tatsächlich stimmig ist.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht darin, ob du Hilfe brauchst oder andere Menschen um Rat fragst. Er liegt darin, ob du dich im Nichtwissen selbst verlierst. Kannst du eine Frage offenlassen und trotzdem bei dir bleiben? Kannst du dir einen nächsten Schritt zugestehen, ohne den gesamten Weg zu kennen? Je mehr das möglich wird, desto weniger muss Unsicherheit etwas sein, aus dem du möglichst schnell herauskommen musst.
Dann kann aus dem Nichtwissen langsam ein anderer Raum werden. Ein Raum zwischen dem, was du bereits kennst, und dem, was erst entstehen kann. Solange die Antwort noch nicht feststeht, sind Möglichkeiten offen. Du kannst wahrnehmen, ausprobieren, Erfahrungen machen und dabei vielleicht Seiten an dir entdecken, von denen du vorher noch gar nichts wusstest.
Vielleicht beginnt Entwicklung deshalb nicht erst dort, wo du etwas Neues weißt. Vielleicht beginnt sie schon einen Schritt früher: dort, wo du etwas noch nicht weißt und diesen Zustand nicht sofort beenden musst.
Unsicherheit aushalten kannst du lernen
Wenn Unsicherheitstoleranz etwas mit deinen Erfahrungen zu tun hat, dann ist sie auch nichts, was du entweder hast oder nicht hast. Du kannst neue Erfahrungen machen. Dabei würde ich allerdings nicht mit den großen Unsicherheiten deines Lebens anfangen. Wenn eine Beziehung auf der Kippe steht, eine medizinische Diagnose aussteht oder die berufliche Existenz bedroht ist, gibt es gute Gründe, weshalb Unsicherheit schwer auszuhalten ist und du Unterstützung brauchst.
Viel interessanter finde ich die kleinen Momente deines Alltags. Jemand antwortet nicht auf eine Nachricht und sofort beginnt es in dir zu arbeiten. Du hast eine Entscheidung getroffen und kurz danach kommt der Zweifel. Oder du bekommst eine Information, die nicht ganz eindeutig ist, und möchtest sofort jemanden fragen, wie sie gemeint war. Genau dort kannst du beginnen zu beobachten: Was passiert eigentlich gerade in dir, weil du etwas nicht weißt?
Vielleicht ist da nur Neugier. Vielleicht merkst du aber auch Unruhe, Druck oder den starken Wunsch, diesen Zustand möglichst schnell zu beenden. Allein diesen Moment wahrzunehmen verändert etwas, denn zwischen dem Gefühl von Unsicherheit und deiner gewohnten Reaktion entsteht ein kleiner Zwischenraum. Und genau dort kannst du eine andere Erfahrung machen.
Erst den Boden wiederfinden, dann nach der Antwort suchen
Wenn du merkst, dass dich eine Unsicherheit innerlich aus dem Gleichgewicht bringt, muss deine erste Frage vielleicht gar nicht lauten: Was ist jetzt die richtige Entscheidung? Vielleicht geht es zunächst darum, wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Das kann ganz wörtlich gemeint sein: die Füße auf dem Boden spüren, wahrnehmen, wo du gerade bist, dich im Raum orientieren, den Kontakt deines Körpers mit dem Stuhl bemerken, deinen Atem wahrnehmen oder dich kurz bewegen.
Dabei geht es um einen wichtigen Unterschied. Du regulierst dich nicht, damit die Unsicherheit möglichst schnell verschwindet. Sonst würdest du lediglich die Strategie wechseln und weiterhin versuchen, einen unangenehmen Zustand sofort zu beseitigen. Du regulierst dich, damit du mit dieser Unsicherheit wieder bei dir sein kannst. Vielleicht weißt du danach immer noch nicht, was du tun sollst. Aber du stehst wieder etwas fester, dein Blick wird weiter und du kannst dich der eigentlichen Frage aus einem anderen Zustand heraus zuwenden.
Gerade im Zusammenhang mit einem Trauma-Hintergrund finde ich das wichtig. Wenn Unsicherheit alte Alarmreaktionen aktiviert und du innerlich den Boden verlierst, kann diese körperlich spürbare Verankerung notwendig sein, bevor du wieder klarer wahrnehmen und abwägen kannst. Regulation liefert nicht die Antwort. Sie schafft einen Zustand, aus dem heraus eine eigene Antwort wieder möglich werden kann.
Brauchst du gerade Information oder Sicherheit?
Dann kannst du dich fragen, was du eigentlich suchst. Fehlt dir tatsächlich eine Information, die du selbst nicht haben kannst? Möchtest du eine andere Perspektive kennenlernen oder brauchst du jemanden, der dir sagt, was richtig ist, damit du dich wieder sicherer fühlst?
Natürlich fragst du eine Fachperson, wenn dir Wissen fehlt, und natürlich darfst du dir Rat holen. Unterstützung anzunehmen ist kein Zeichen mangelnder Selbstwirksamkeit. Aber manchmal merkst du vielleicht auch: Eigentlich weiß ich genug, um selbst einen nächsten Schritt zu machen. Dann kann es interessant sein, die Frage noch einen Moment bei dir zu behalten. Was würdest du entscheiden, wenn du jetzt niemanden fragen könntest? Was nimmst du selbst wahr? Und was genau macht dir an der Vorstellung Angst, selbst zu entscheiden?
Vielleicht geht es gar nicht um die konkrete Entscheidung. Vielleicht darfst du dich nicht irren, möchtest niemanden enttäuschen, fürchtest Kritik oder glaubst, dass eine falsche Entscheidung etwas darüber aussagt, ob du kompetent genug bist. Dann wird die Unsicherheit plötzlich interessant, weil sie dir etwas darüber zeigen kann, was du bislang gebraucht hast, um dich sicher zu fühlen. Wie stark sich dieses Bedürfnis nach äußerer Bestätigung festsetzen kann und was sich verändert, wenn die Orientierung wieder mehr von innen kommt, beschreibe ich in Wenn Sicherheit von außen kommen muss.
Die Antwort ein wenig später bekommen
Du musst nicht jede Unsicherheit stundenlang oder tagelang aushalten. Manchmal kann bereits eine kleine Verzögerung eine neue Erfahrung ermöglichen. Du musst eine Nachricht nicht sofort abschicken, kannst zehn Minuten warten, bevor du jemanden fragst, oder dir erlauben, über eine Entscheidung eine Nacht zu schlafen. Manchmal genügt es schon, einen Satz stehen lassen zu können: „Das weiß ich gerade noch nicht.“
Wenn dein System gelernt hat, einen unangenehmen Zustand schnell zu beenden, kann die Unruhe zunächst sogar ansteigen. Aber irgendwann kann eine andere Erfahrung entstehen: Die Unsicherheit ist noch da und du bist ebenfalls noch da. Du hast den Boden unter deinen Füßen nicht verloren oder kannst ihn wiederfinden. Du musst nicht sofort handeln, nur weil sich etwas in dir unsicher anfühlt.
Vielleicht liegt genau darin eine Erfahrung, die tiefer geht als die Antwort eines anderen Menschen: Ich kann das aushalten.
Selbstwirksamkeit wächst nicht durch perfekte Entscheidungen
Solche Erfahrungen lassen sich zunächst dort machen, wo nicht besonders viel auf dem Spiel steht. Welchen Termin wählst du? Wie möchtest du auf eine Nachricht antworten? Probierst du etwas aus oder lässt du es? Gerade kleine Entscheidungen eignen sich, weil du entscheiden kannst, ohne vorher die Garantie zu bekommen, dass deine Entscheidung optimal ist.
Vielleicht war sie gut. Vielleicht stellst du hinterher fest, dass du es beim nächsten Mal anders machen würdest. Auch das gehört zur Selbstwirksamkeit. Sie zeigt sich nicht darin, dass alles gelingt, sondern darin, dass du auf das reagieren kannst, was geschieht. Du kannst korrigieren, neu entscheiden, jemanden um Hilfe bitten oder aus einer Erfahrung lernen.
Vielleicht ist das eine viel stabilere Form von Sicherheit als die Hoffnung, vorher für alles die richtige Antwort finden zu können. Denn dann liegt deine Sicherheit nicht mehr ausschließlich darin, die Zukunft möglichst gut vorherzusagen. Ein Teil dieser Sicherheit liegt in der Erfahrung, dass du dir zutraust, mit einer Zukunft umzugehen, die anders verlaufen kann, als du es erwartet hast.
Mit beiden Füßen im Nichtwissen
Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger glaube ich, dass du lernen musst, Unsicherheit irgendwie tapfer zu ertragen. Du brauchst vielmehr einen Boden, auf dem du auch dann stehen kannst, wenn du noch nicht weißt, wie es weitergeht. Es ist nicht der Boden einer Welt, in der alles vorhersehbar ist. Den wird es nicht geben. Menschen werden Dinge tun, mit denen du nicht gerechnet hast. Entscheidungen werden andere Folgen haben, als du erwartet hast. Pläne werden sich verändern und manche Fragen werden lange offenbleiben.
Der Boden, den du brauchst, entsteht deshalb nicht dadurch, dass du all das kontrollieren kannst. Er entsteht in der Erfahrung, dass du dich selbst inmitten dieser Ungewissheit wiederfinden kannst. Du kannst wahrnehmen, was in dir geschieht, ohne sofort darauf reagieren zu müssen. Du kannst andere Menschen um Rat fragen, ohne ihnen deine Entscheidung zu übergeben. Du kannst dich irren und dich neu orientieren. Und du kannst etwas ausprobieren, dessen Ausgang noch offen ist.
Vielleicht ist genau das eine Form von innerer Freiheit. Keine Freiheit von Unsicherheit, sondern die Freiheit, dich von ihr nicht mehr vollständig bestimmen lassen zu müssen. Dann kann aus einem offenen Raum, den du möglichst schnell schließen willst, langsam ein Möglichkeitsraum werden: ein Raum, in dem etwas entstehen darf, das du heute noch gar nicht kennen kannst.
Denn Entwicklung bedeutet vielleicht nicht, immer mehr Antworten zu haben. Vielleicht bedeutet Entwicklung, immer weniger darauf angewiesen zu sein, sofort eine Antwort zu bekommen.
Du selbst, wer sonst?
Literatur
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