Neurographik

Neurographik in der Ahnenarbeit: ein persönlicher Erfahrungsbericht

UPDATE vom 30.4.2019: Aktuelle neurographische Ahnenarbeit ergänzt.

Die letzten 20 Jahre habe ich regelmäßig Ahnenarbeit gemacht, sei es durch systemische Aufstellungen, mit schamanischen Reisen oder mit psychotherapeutischen Methoden. Allerdings hatte ich nie das Gefühl, dass das Thema für mich endgültig abgeschlossen war. Das lag sicher auch daran, dass ich traumatische Erfahrungen mit einem meiner Ahnen in der Kindheit hatte. Neurographisch hatte ich bisher dieses Thema nicht beleuchtet.

Als ich erfuhr, dass Pavel Piskarev in seinem Neurographik-Workshop im November 2018 in München Ahnenarbeit anbot, war ich einerseits sehr angezogen von diesem Thema, andererseits wusste ich sofort, dass das sehr aufwühlend für mich werden würde. Aber das Interesse und die Neugier haben gesiegt: ich stellte ich mich dieser Erfahrung.

Ein besonderer Raum bietet viel Platz für das, was da ist

Schon zu Beginn des Tages hatte ich das Gefühl, dass sich in unserem Seminar-Raum ganz viel Ahnen-Energie breitmacht. Diese spezielle Energie war greifbar für mich. Das Ahnen-Thema wühlte mich jetzt schon auf. Ich fühlte mich durchgeschüttelt von alten Themen, die ich doch glaubte, schon längst geklärt und abgeschlossen zu haben. Mir kamen immer wieder Tränen in die Augen. Mir war völlig unklar, wie ich zeichnen sollte, wo ich doch schon jetzt komplett überwältigt war von all dem, was hier vor sich ging.

Dessen gewahr forderte mich Pavel Piskarev auf, meine Emotionen und Gefühle da sein zu lassen, genauso wie sie sind. Ich sollte alles fühlen und gleichzeitig Linien auf das Papier zeichnen.

Ein Ahnenbaum verbindet uns mit der Kraft unserer Ahnen

Die Aufgabe war es, einen Teil eines Neurobaums zu zeichnen. Ein Neurobaum ist eine Neurographik, die im Aufbau einem Baum ähnelt. Die Ahnen stehen für unsere Wurzeln und dementsprechend zeichnen wir die Ahnen, angefangen mit unseren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern als Kreise in die Wurzeln unseres Baumes.

Ich fing an, die Kreise für meine Herkunftsfamilie einzuzeichnen und die einzelnen Ahnen mit mir zu verbinden. Ich zeichnete die Linien von meinen Urgroßeltern, mit denen ich mich schon lange sehr verbunden fühle, über meine Großeltern und Eltern bis zu mir. Trotz Tränen in den Augen und dem Gefühl noch immer überwältigt von alten Erinnerungen zu sein, zog ich meine Linien. Das schaffte schon einmal ein bisschen Erleichterung.

Ganz viel leichter wurde es dann als ich die Linien nicht nur von meinen Urgroßeltern, sondern von ganz unten, vom Blattrand hochzog zu mir. Das tat mir unheimlich gut. Ich zog Linie um Linie und es wurde freier und freier. Ich konnte wieder ganz tief durchatmen, meine Tränen waren weg.

Mit den Linien fließt die Kraft unserer Ahnen auch an unsere Kinder

Dann fiel mir auf, dass ich die Linien nicht über mich hinaus nach oben weiter führte, obwohl da noch der Kreis meines Sohnes war. Unbewusst wollte ich die schwere und für mich traumatische Energie nicht an mein Kind weitergeben. Aber natürlich schneide ich ihn somit auch von der wichtigen Kraft v.a. seiner männlichen Linie in meinem System ab. Ich zog also die Linien bewusst weiter zu meinem Sohn und merkte, wie sich das Ganze noch mehr entspannte.

Jetzt zeigte sich ein schöner Kraftfluss von meinen Vorfahren zu mir und weiter zu meinem Sohn, das fühlte sich sehr gut an.

Der Stamm muss weit sein, um all die eigenen Gaben in die Welt bringen zu können

Es fehlte noch etwas. Ich merkte, dass der Baumstamm zu schmal war, so wie er war. Im Stamm fühlte es sich eng an. Es war kein Freiraum vorhanden. Ich spürte, dass ich mehr zu geben habe in meinem Leben als nur Mutter für meinen Sohn zu sein und ein paar Klienten zu begleiten. 

Kläre Deine Kraft zu den Ahnen mithilfe der Neurographik

Ich verbreiterte den Stamm deutlich und verstärkte den Fluss, der den Stamm hinauf strömte. Mir wurde heiß und bewusst, wie viel ich zu geben habe in dieser Welt. Zum ersten mal fühlte ich, wie groß diese Aufgabeetwas Eigenes in die Welt zu bringen, in meinem Leben ist.

Schönheit, die berührt

Als nächstes kamen die Farben. Ich war überrascht und noch einmal sehr berührt und bewegt, wie freundlich und strahlend das Bild wurde. Das Bild ist jetzt mit farbigen Flüssen durchzogen. Es wirkt sehr lebendig und irgendwie heil auf mich. In diesem Bild ist deutlich zu sehen, dass im Prozess des Zeichnens eine wirkliche Heilung stattgefunden hat, eine Heilung des Kraftflusses von den Ahnen zu mir und meinem Sohn. Das Bild ist das Resultat der Heilungsgeschichte meiner Ahnen und meiner Ahnenlinie.

Synthese in einem Bild

Wow, das war grandios. Mir wurde durch die Zeichnung klar, dass ich zwar bisher die Einzelteile meiner Herkunftsfamilie und meiner Ahnen bearbeitet hatte, aber das Ganze noch nicht ausreichend miteinander verbunden war. Viele Aspekte, wie zum Beispiel die Kraft an meinen Sohn weiterfließen zu lassen, war mir vollkommen klar, trotzdem habe ich es nicht sofort gezeichnet. Das zeigt mir, dass ich das zwar im Kopf klar hatte, aber noch nicht vollständig in mein Leben integriert hatte.


Beim Zeichnen verstand ich sehr schnell, wo anzusetzen ist und wo es noch heilende und verbindende Linien braucht. Ich habe die Kraft der Linie am eigenen Leib und im eigenen System erfahren und es ist so so erleichternd diesen einsetzenden Fluss der Ahnenkraft zu spüren. Ich fühle mich jetzt wirklich angebunden an meine Ahnen, kann deren Kraft spüren und vorurteilsfrei annehmen. Ebenso kann ich die Kraft an meinen Sohn weitergeben und sie in meine Projekte einfließen lassen.

Ich bin absolut überrascht und extrem beeindruckt, wie gut, einfach, schnell und gründlich die Neurographik mit dem Neurobaum auch in der Ahnenarbeit eingesetzt werden kann.

Weiterentwicklung und Integration nach einem halben Jahr

Ahnenarbeit mit Neurographik

Dieses Bild hier entstand etwa ein halbes Jahr später. Ich habe es während eines ästhetischen Coachings gezeichnet, in dem meine Klienten ebenfalls einen Ahnenbaum zeichneten. Ich erklärte, unterstütze und begleitete diesen intensiven Prozess. Das geht am erfolgreichsten, wenn ich ebenso eine solche Zeichnung anfertige.

Verglichen mit meinem ersten Bild ist deutlich zu sehen, dass der Stamm länger ist und deutlich breiter wird. Hier ist viel mehr Platz für die eigene Selbstentfaltung.

Auch in den Farben ist deutlich zu sehen, wie die Integration der Ahnenthemen voran geschritten ist. Die Frauenlinie, die v.a. für uns Frauen von so großer Bedeutung ist, strahlt in klarem gelb. Sie ist stabil und freundlich.

Neu und klar ist die durchgehende und strahlende Verbindung der Kraft der väterlichen Linie in rot. Auch hier kommt über den Vater die Kraft der Großmutter zu mir und darf ganz kräftig weiter fließen.

Die Farben sind insgesamt noch kraftvoller als das erste Bild und strahlen noch mehr Heilung aus.

Auch die noch etwas vage Verbindung zu meinem Großvater auf dem ersten Bild ist jetzt in knalligem orange sehr deutlich. Die Kraft die daraus entsteht kann ich in die Welt bringen. Das Orange fließt ganz deutlich und breit den Stamm hinauf und vereint sich mit der roten Farbe, die vom Vater kommt. 

Ich selbst, der Kreis meines Ichs ist viel größer als in dem ersten Bild und strahlt viel Stabilität aus. Der Stamm verbreitert sich sehr bald, um das in die Welt fließen zu lassen, was von unten an Stärke und Kraft hochkommt.

Diese Entwicklung ist für mich sehr eindrücklich und zeigt, wie stark eine solche Neurographik weiterwirkt und sich in das eigene Leben integriert, ohne das weiter bewusst zu steuern.

Kennst Du schon meinen Artikel über die Neurographik? Darin erkläre ich, was Neurographik ist, wo sie herkommt und was Du damit alles machen kannst.

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Toller Artikel. Ich finde es sehr mutig, diese Dinge anzupacken und die Zusammenhänge mit den Ahnen darzustellen. Das Bild wirkt sehr positiv auf mich, die Farben sind sehr fröhlich. Ich glaube, das war ein guter Weg für Dich. Vielen Dank für das Teilen Deiner Story.

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